Über die Geschichte

Etwa 400 Meter von der Straße entfernt, die von Hetzert nach Vossum führt, liegt nordöstlich von Straelen, direkt am westlichen Ufer der Niers, das Haus Eyll. 1432 wird das Anwesen ohne weitere Zusätze Meyersdonck en nyenhoff genannt, als es in einem Erbvertrag dem Gerhard von Eyll und seiner Frau Elisabeth von Bocholtz übergeben wurde. Gerhard war Richter des Herzogs von Geldern im geldrischen Amt Straelen, zu dem das Haus gehörte. Seine Nachfahren, denen das Haus seinen erst seit dem 16. Jahrhundert überlieferten, heutigen Namen verdankt, besaßen es bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts.

Die Familie von Eyll stammte ursprünglich aus der Bauernschaft Eyll zwischen Aldekerk und Nieukerk und verbreitete sich seit dem 13. Jahrhundert über den ganzen Niederrhein. In zahlreichen Stammtafeln adeliger Familien tauchen die Eyll auf. Dementsprechend muß es nicht verwundern, daß es am Niederrhein neben dem Haus Eyll in Straelen noch vier andere Häuser - bei Bedburg-Hau-Huisberden, bei Rheinberg, bei Weeze und bei Kamp-Lintfort - gibt oder gab, die diesen Namen tragen. Darüber hinaus sind die von Eyll auf zahlreichen anderen Herrenhäusern nachzuweisen.

Seit spätestens 1539 gehörte Eyll zum ausgedehnten Lehnshof des nur etwa einen Kilometer flußabwärts gelegenen Hauses Vlassrath. Nach etwas verworrenen Besitzverhältnissen kauften 1646 der Gouverneur der Festung Straelen, Arnold von Crümmel, und seine Frau Anna Margaretha von Spicker die Hälfte des Hauses Eyll. 1650 heiratete die Witwe in zweiter Ehe den aus Frankreich stammenden Jacques Simon von Varo. Spätestens 1660 verließen sie Eyll und zogen in das in Sichtweite flußaufwärts neuerbaute Haus Caen. Eyll ging 1675 an ihre Tochter Philippine über, die 1680 in zweiter Ehe den in spanischen Diensten stehenden Johann Josef de Permiliack heiratete. Ein Jahr später - 1681, durch die Maueranker überliefert - erbauten sie das Haus von Grund auf neu.

Um 1700 kam Eyll in den Besitz des Barons Johan Adolph von Horst von Heimerzheim, der aus einer kurkölnischen Beamtenfamilie stammte. Der Baron machte durch einen großen und langwierigen Prozeß um die Fischereirechte in der Niers von sich reden, den er mit der Abtei Siegburg als Grundherrn von Straelen führte. Als ihm ein Bote der Abtei zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Nachricht nach Haus Eyll überbrachte, die Fischereipacht sei ihm gekündigt worden, soll er den Boten mit einer Hopfenstange derart in den Nacken geschlagen haben, dass dieser an den Folgen starb! Das ist der Stoff, aus dem Sagen und Gespenstergeschichten entstehen. Ein Sohn des Barons, Alexander Wilhelm Franziskus - 1739 auf Haus Eyll geboren - schlug einen völlig anderen Weg ein. Er wurde zunächst Mönch im Kloster Clarholz in Westfalen und war zwischen 1782 und 1790 Abt des Klosters Hamborn bei Duisburg.

1765 kaufte der geldrische Kriegs- und Domänenrat Gottlieb Ludwig Plesman das Haus Eyll, der 1786 für seine Verdienste in den Adelsstand erhoben wurde. Plesman nutzte das Haus vermutlich nur als Landsitz. Nach seinem Tod 1793 taucht als Besitzer Gerhard Friedrich von Ammon auf, der das Haus um 1818 an den Elberfelder Industriellen Heinrich Kamp verkaufte. Ab 1855 ist als Besitzer der Neusser Kaufmann Jacob Le Hanne nachgewiesen, dessen Sohn das Haus 1896 an den auf Haus Caen wohnenden Reichsfreiherrn Rudolph Adolph von Geyr-Schweppenburg verkaufte. Er starb 1907, und nach der Aufteilung des Besitzes im Jahre 1947 erhielt das Haus seine Tochter Anita, verheiratete von Kempis, die es 1949 an ihre Tochter Mariagnes weitergab, die 1949 Bruno Frankewitz aus Ostpreußen heiratete.

Wie das Haus der Familie von Eyll im 15. und 16. Jahrhundert ausgesehen hat, wissen wir nicht. Aus einer Beschreibung des Jahres 1539 ist aber zu erfahren, daß hier ein „Berg” stand, worunter ein hölzerner Turm zu verstehen ist, und das Anwesen mit Zäunen, Wällen und Gräben gesichert war. Für 1666 ist auf Eyll die Existenz eines doefhuys, eines Taubenhauses also, überliefert, ein Hinweis auf Taubenhaltung im 17. Jahrhundert. 

1681 wurde das Haus in seiner heutigen Gestalt als zweigeschossiger, rechteckiger Backsteinbau mit Walmdach neu errichtet. Bauspuren zeigen, daß dem Haus ursprünglich in der Mitte der Frontseite ein Turm vorgestellt werden sollte. Ob dieser Turm nur geplant war oder tatsächlich existierte und später niedergelegt wurde, ist nicht bekannt. Ursprünglich konnte das Haus, zu dem ein Saal im Untergeschoss an der Südseite gehört, von acht Kaminen geheizt werden. 1991 erhielt das Haus einen neuen Verputz.

Eine architektonische Besonderheit stellt der Taubenturm auf Haus Eyll dar, der nach 1855 in historisierenden Formen des Industriezeitalters errichtet wurde. Möglicherweise ersetzte der Turm ein älteres Taubenhaus. Das zweigeschossige Backsteingebäude mit Spitzbogenfenstern und verschiedenartigen Friesen sowie flachem Pyramidendach wurde 1995 behutsam zu Wohnzwecken ausgebaut. Die 1954 datierte Wetterfahne auf dem Dach erinnert an Bruno Frankewitz und seine Frau Mariagnes von Kempis. - Bis 1924 gab es einen zweiten, gleichartigen Taubenturm auf der gegenüberliegenden Hofseite.

Etwa 200 Meter vor dem Haus steht an der Allee ein ehemaliges Backhaus, an das sich ein aus der Zeit um 1900 stammendes, 1996 neu geweihtes Heiligenhäuschen mit einer Marienfigur anlehnt.

 Wohl aus der Bauzeit des Hauses stammt die 400 Meter lange Allee, die schnurgerade auf das Haus zuführt. Im Jahre 2017 wurde die Allee gepflastert. Sie überquert den alten Graben mittels einer Steinbrücke mit zwei liegenden Löwen. Die Achse der Allee setzt sich in gedachter Form durch das Haus hindurch fort bis auf die östliche Niersseite, wo sie auf eine weitere Allee stößt. 

Im Zuge der Renaturierung der Niers soll der Fluß, der bis zur Begradigung 1953 direkt hinter dem Haus floß, wieder den alten Graben mit Wasser füllen.

Literatur

Kartenaufnahme der Rheinlande durch TRANCHOT und V. MÜFFLING 1803-1820 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde XII. 2. Abteilung. Neue Folge), hrsg. vom Landesvermessungsamt Nordrhein Westfalen: 27 Straelen.

Jochen HILD: Park- und Gartenanlagen im Bereich der geldrischen Adelssitze. In: Geldrischer Heimatkalender 1971, S. 79.

Adolf KAUL: Geldrische Burgen, Schlösser und Herrensitze (Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend 76). Geldern 1976, S. 36 f.

Stefan FRANKEWITZ: „die meyersdonck en den nyenhoff”. Zur Geschichte des Hauses Eyll bei Straelen bis 1681. In: Gregor HÖVELMANN (Hrsg.): Juden in Geldern. Mit weiteren Beiträgen zur geldrischen Geschichte (Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend 82). Geldern 1982, S. 101-120.

Rainer SCHIFFLER, Gisbert KNOPP: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Kleve. Stadt Straelen (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen I. Rheinland 11.13). Berlin 1987, S. 89-92.

Stefan FRANKEWITZ: Stadt Straelen am Niederrhein (Rheinische Kunststätten Heft 147, 2. völlig neu bearbeitete Auflage). Neuss 1988, S. 27-29.

Stefan FRANKEWITZ: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser an den Ufern der Niers. Kleve 1997, S. 165-172.

Stefan FRANKEWITZ: Landtag und Rittersitze. In Stefan FRANKEWITZ (Hrsg): Preußen an Peel, Maas und Niers. Das preußische Herzogtum Geldern im 18. Jahrhundert (Geldrisches Archiv 7). Geldern 2003, S. 252.

Stefan FRANKEWITZ: Der Niederrhein und seine Burgen, Schlösser, Herrenhäuser an der Niers, Geldern 2011, S. 349 - 361